Wehr will Flüchtlinge für Gefahren sensibilisieren

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23.5.2017: aus Taunuszeitung.Bad Homburg.
Als es Anfang Februar in der Asylbewerberunterkunft im Hessenring brannte, boten sich den Feuerwehrleuten dramatische Szenen. Nicht nur mussten sie eilends den Brandherd suchen und die Flammen ersticken; auch hatten sie es mit Menschen in Panik zu tun. „Die meisten Flüchtlinge wissen nicht, wie man sich richtig verhält, wenn es brennt“, weiß der Leiter der Bad Homburger Wehr, Daniel Guischard.

Mit Blick auf dieses Ereignis beschloss im März das Homburger Stadtparlament, die Präventionsarbeit in Einrichtungen der Flüchtlingshilfe zu stärken. Diesem Beschluss kommen Stadt und Wehr nach, indem sie ein Fahrzeug zum Infomobil umgebaut haben, mit dem sie in nächster Zeit verstärkt die Wohnheime ansteuern wollen. Zudem haben sie Infomaterial in die Sprachen übersetzen lassen, die die meisten Flüchtlinge sprechen – Arabisch und Dari (Persisch, das in weiten Teilen Afghanistans gesprochen wird), außerdem gängige europäische Sprachen.

Denn ein weiteres Problem wurde in der Brandnacht besonders deutlich: Viele der Flüchtlinge sprechen Sprachen, die aber die Feuerwehrleute nicht verstehen. Entsprechend groß waren seinerzeit die Verständigungprobleme beim Einsatz. Künftig sollen daher Einsatzkräfte eine Art Wörterbuch mit den wichtigsten Fragen (etwa „Wie viele Personen sind im Haus?“, „Wo tut Ihnen etwas weh?“) bekommen, auf die die Flüchtlinge notfalls auch nonverbal antworten können.

Damit nicht genug: „Wir qualifizieren unser Personal im Umgang mit fremden Kulturen“, so Guischard. Für viele Flüchtlinge habe das „Kulturgut Feuer“ eine andere Bedeutung. Sie kennen Flammen etwa von den Kochstellen ihrer Heimat. Geraten sie in einem Gebäude wie dem Wohnheim außer Kontrolle, wissen manche nicht, wie gefährlich es werden kann. Die Helfer wollen nun das Gefahrenbewusstsein der Menschen schärfen – beim Thema Feuer, aber auch bei anderen wie etwa Starkstrom. Auch für die „nachbarliche Solidargemeinschaft“ sollen die Menschen sensibilisiert werden. „Bei dem Brand wusste niemand, wie viele Menschen noch im Haus sind“, erinnert sich Guischard.

Bebilderte Prospekte

Die Sensibilisierung soll mit Ansprache gelingen, mit einer Übungsfeuerlöschanlage sowie mit bebilderten Prospekten in den jeweiligen Sprachen. „Vielleicht gelingt es so ja auch, dass die Flüchtlinge ihr Wissen untereinander weitergeben“, hofft der Feuerwehrchef.

Wie wichtig die Vorsorge ist, zeigt die Tatsache, dass Brandbekämpfer immer wieder in die Unterkünfte ausrücken müssen – zum Glück nicht immer, weil ein Brand ausgebrochen ist. „Etwa ein Mal pro Woche haben wir einen Einsatz in einem Flüchtlingsheim“, so Guischard. Insofern sind die 26 000 Euro, die die Stadt für die Präventionsmaßnahmen ausgibt, im Rahmen.

Bei dem neuen Infomobil handelt es sich um einen gebrauchten Mercedes Sprinter aus dem Bundeswehr-Fuhrpark. Es diente den Kirdorfer Kameraden vorübergehend als Mannschaftstransportwagen und ist weiterhin für den Personentransport – etwa für Gehbehinderte oder in der Jugendwehr – einsetzbar.

» http://www.fnp.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Wehr-will-Fluechtlinge-fuer-Gefahren-sensibilisieren;art48711,2637835

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