Königsteiner Flüchtlingsfamilie nicht abgeschoben - Falsche Behauptung bei Facebook

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30.3.2017: aus Taunuszeitung. Königstein.
In der Mathe-Klausur eine Eins, im Zeugnis der Friedrich-Stoltze-Schule steht bei Karan (18) und Sahel (14) ein „gut“ unter sozialem Verhalten. Mutter Krishma legt den Dienstplan ihrer Arbeitsstelle im städtischen Kindergarten vor, Vater Krishan berichtet von seiner Tätigkeit im Königsteiner Haus der Begegnung.

Immer wieder zeigt die Familie Kapoor stolz Zettel und Belege, die zeigen, wie weit sie schon gekommen sind. Die aufgeweckten Jungs sprechen gut Deutsch, sind höflich und zuvorkommend. Der Ältere hat schon ein Praktikum im Autohaus Marnet gemacht, die Zukunft für die beiden könnte rosig aussehen.

Die Welt der Kapoors hat sich am 27. Januar jedoch verändert, als vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Ablehnung ihrer Asylanträge mitgeteilt und die Abschiebung verfügt wurde. Zwar ruht das Verfahren derzeit, machen sich viele Menschen für den Verbleib der Familie stark (siehe INFO). Und dafür sind die Kapoors auch sehr dankbar, übersetzt Maryam Javaherian, die Vorsitzende des Ausländerbeirates, bei einem gemeinsamen Treffen, aus dem Persischen.

Das Lächeln aber fällt schwer. Man sieht den Eltern an, dass sie sich in einer Ausnahmesituation befinden. Krishans Vater war ein wohlhabender Mann, die Familie betrieb einen Laden, erzählt er. Unter dem Taliban-Regime wurde ihnen Hab und Gut weggenommen, Zuflucht fanden sie in einem Tempel in Kabul, in dem sie aus Angst um Leib und Leben zwölf Jahre lang ausharrten. Die Mutter traute sich nicht mehr hinaus, Sahel kam in dem Tempel zur Welt. Jedes Mal, wenn ein Familienmitglied das Gebäude verließ, stand die Familie Todesängste aus.

Bedrohte Minderheit

In dem Land mit rund 30 Millionen Einwohnern sind die Hindus eine kleine Minderheit. Weniger als 10 000 leben noch dort, schätzt Krishan, glaubwürdige Internetquellen gehen von lediglich 1000 aus. Die meisten sind längst geflüchtet, manche zu Tode gekommen. Ruhe hatten sie auch dann nicht. Nicht selten wurden Beisetzungszüge mit Steinen beworfen, das bei Hindus traditionelle Einäschern der Toten wird in dem muslimisch geprägten Land nicht toleriert, so Krishan weiter. Der Staat scheint zu schwach, um die Minderheit vor Verfolgung schützen zu können. „Wir haben uns gerettet und in Deutschland um Asyl gebeten“, sagt die Mutter.

Appetitlosigkeit und Alpträume sind seit der Ablehnung ihres Asylantrags ständige Begleiter der Kapoors geworden. Maryam Javaherian hat die Familie bereits kurz nach ihrer Ankunft kennengelernt: „Vor dem Brief waren sie fröhlich. Das sind sie nicht mehr.“ Eine Untertreibung, denn schon bei behutsamen Fragen nach einer möglichen Rückführung fließen Tränen.

Was Javaherian an den Kapoors besonders schätzt? Ihre Hilfsbereitschaft, ihre Dankbarkeit, ihre Fairness, die Art, wie sie ihre Kinder erzogen haben, ihr Wille, sich zu integrieren, die hiesigen Spielregeln zu lernen – das alles habe sie sehr beeindruckt.

Alles, was die Kapoors in den vergangenen dreieinhalb Jahren erreicht haben, haben sie sich selbst erarbeitet, auch für einfache Hilfstätigkeiten waren sie sich nicht zu schade. Die Kinder haben erstaunlich schnell Deutsch gelernt, sagt Javaherian. Auch das ist eine bemerkenswerte Integrationsleistung, denn in Afghanistan konnten sie keine Schule besuchen. Der Vater und andere Hindus unterrichteten sie im Tempel, so gut es unter den Umständen ging. In Königstein angekommen, lebten die Kapoors in einer Einzimmerwohnung, bis sie mit Hilfe der Stadt vor etwa einem Jahr in eine größere umziehen konnten. Beklagt haben sie sich in der ganzen Zeit nie. Im Gegenteil: Für die Chance, die sie erhalten haben, sind sie Deutschland sehr dankbar.

Wenn man die Familie fragt, was ihnen an Deutschland besonders gefällt, fällt immer der Begriff Sicherheit. „Ich kann hier alleine aus dem Haus, einkaufen, zur Arbeit gehen. Ich habe eine Freiheit, wie ich sie noch nie in meinem Leben hatte“, berichtet die Mutter. Was sie sich für die Zukunft wünschen? „Wir möchten hier bleiben und Fortschritte machen.“

» http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Koenigsteiner-Fluechtlingsfamilie-nicht-abgeschoben-Falsche-Behauptung-bei-Facebook;art48711,2550499

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