Flüchtlinge in Bad Homburg bekommen Brandschutz-Schulung

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23.3.2017:
aus Taunuszeitung. Bad Homburg. Wie verhält man sich, wenn es brennt? Natürlich ruft man die Feuerwehr. Aber was macht man, bis die kommt? Die Tür des Zimmers, in dem es brennt, schließen und dann übers Treppenhaus das Gebäude verlassen. Vor allem gilt dies: Ruhe bewahren. Weiß ja jeder – denkt man. Aber im Ernstfall ist es sicherlich schwierig, ruhig zu bleiben. Vor allem dann, wenn man in einem fremden Land ist und aus seinem Heimatland vielleicht keine ordentliche Brandschutz-Infrastruktur kennt, mithin kein Vertrauen in die Feuerwehr hat.
Die beiden Brände in den Flüchtlingsunterkünften in der Schwalbacher Straße und im Hessenring haben gezeigt, dass eben genau das ein Problem sein kann. Denn das falsche Verhalten der Flüchtlinge – einer ist in Panik aus dem Fenster gesprungen – hat nicht nur die Feuerwehr in ihrer Arbeit behindert, sondern stellte natürlich neben dem Feuer eine weitere Gefahr für die Bewohner der Asylbewerberunterkünfte dar.

Ausrüstung stimmt

Das hat den jungen SPD-Stadtverordneten Tobias Ottaviani (20) nachdenklich gestimmt. „Ich bin natürlich Brandschutz-Laie, aber ich dachte mir, da müssen wir etwas tun“, sagt Ottaviani mit Blick auf den – einstimmig von allen Fraktionen angenommenen – Antrag seiner Fraktion in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung, nach dem ein Bericht Auskunft über den derzeitigen Stand des Brandschutzes in den Bad Homburger Flüchtlingsunterkünften gegeben werden soll.


„Das Equipment ist sicher nicht das Thema. Ich bin davon überzeugt, dass alle Unterkünfte mit Brandschutztüren, Feuerlöschern und Brandmeldern ausgestattet sind“, sagt Ottaviani. Ihm sei der zweite Teil des Antrags, bei dem es darum geht, Überlegungen anzustellen, wie konkrete interkulturelle Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen aussehen könnten, deswegen auch wichtiger.

Das sieht Feuerwehrchef Daniel Guischard, der nach Angaben Ottavianis bereits dabei ist, den Bericht zu erstellen, übrigens ähnlich. Gestern hat sich der junge SPD-Stadtverordnete, der demnächst an der Goethe-Uni sein Studium der Wirtschaftswissenschaften beginnt, mit Guischard getroffen. „Wir finden beide, dass es wichtig ist, die Flüchtlinge in Sachen Brandschutz zu schulen. Denn es nutzt nichts, wenn zwar überall Feuerlöscher hängen, aber keiner weiß, wie sie bedient werden“, sagt Ottaviani.

Brandschutzbeauftragter

Das sei aber natürlich nichts, was die Feuerwehr alleine stemmen könne. Da müssten dann alle Akteure, also die Betreiber der Unterkünfte, die Stadt mit ihrem Referat Asyl, also der Koordinationsstelle für Flüchtlinge, der Kreis und die Feuerwehr „mit an einen Tisch“. Gerade das Know-how des Referats Asyl sei, so Ottaviani, „immens wichtig“, um den Flüchtlingen die Wichtigkeit des Vorhabens zu vermitteln. Vor allem in der richtigen Sprache. „Ohne Dolmetscher wird das nicht funktionieren“, sagt Ottaviani und fügt hinzu: „Fire – Feuer auf Englisch – wird sicher jeder verstehen. Aber wenn man erklären muss, dass bei einem Rauchmelder auch ab und an die Batterien gewechselt werden müssen oder man bei Feuer keinen Fahrstuhl benutzen sollte, könnte das schon schwieriger werden.“

Die rund 700 Flüchtlinge allein in Bad Homburg zu schulen wäre sicher auch ambitioniert. Ottaviani und Guischard können sich deswegen vorstellen, dass in jeder Flüchtlingsunterkunft eine Person eine Art Brandschutzbeauftragter wird, auch entsprechend geschult – die dann aber als Multiplikator fungiert und ihr Wissen an alle Bewohner weitergibt. Ottaviani: „Ziel muss es sein, dass am Ende alle Asylbewerber im Brandfall besonnen agieren, weil sie wissen, dass bei uns innerhalb kürzester Zeit in jedem Fall die Feuerwehr kommt.“

» http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Fluechtlinge-in-Bad-Homburg-bekommen-Brandschutz-Schulung;art48711,2539157

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