Deutsch als größte Herausforderung: Flüchtling will Ausbildung zum Krankenpfleger machen

Zurück zur Übersicht

15.2.2017: aus Taunuszeitung.
Usingen.
Der 33-jährige Achmad Al Shabaan lebt seit einem Jahr in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge (ehemaliges Krankenhaus) in Usingen. Für die Arbeit als Krankenpfleger, die er anstrebt, scheint er von der äußeren Erscheinungsform bestens geeignet. Er ist groß und muskulös, hat freundliche Augen und eine offene Mimik. An den Hochtaunus-Kliniken in Usingen hat er vergangenes Jahr schon ein mehrwöchiges Praktikum absolviert. „Es hat mir gut gefallen“, sagt der aus Syrien stammende Mann.

Zum Interview hat er sein Deutschbuch mitgebracht. „A 1.2“ ist als Titel darauf zu lesen und es ist eines der ersten Sprachlevel beim Erlernen einer Fremdsprache. Das heißt im weitesten Sinne, dass man vertraute, alltägliche Ausdrücke verstehen und verwenden kann. Doch Shabaan ist schon etwas weiter: In seinem Sprachkurs in Oberursel steuert er gerade auf Level zwei zu.

Das Lernen in der Flüchtlingsunterkunft fällt ihm oftmals schwer. „Es ist laut, viel Streit“, sagt der anerkannte Asylbewerber. Die Wohnungssuche ist ein schwieriges Thema, denn eigentlich müsste er die Gemeinschaftsunterkunft verlassen, doch zuvor benötigt er eine Wohnung – wie so viele Asylbewerber, die im Usinger Land leben. Die Suche ist bei vielen allerdings vergeblich.

Al Shabaan erzählt, dass er in Syrien zwar auf Lehramt studiert habe, doch parallel dazu auch im medizinisch-pharmazeutischen Bereich tätig war, wie ein Mitbewohner im Gespräch übersetzt: „Er hat fünf Jahre in einem Krankenhaus gearbeitet und zwei Jahre in einer Apotheke.“

Kommunikation verbessern

Im Usinger Krankenhaus habe er auf Kranke aufgepasst, die teilweise über einen Schlauch künstlich ernährt worden seien. Doch die Kommunikation war noch etwas holprig.

Für die Grund-Tätigkeit als Krankenpflegerhelfer (KPH) benötigt man das Sprachniveau B1, sagt Yvonne Dintelmann, Pflegedienstdirektorin der Hochtaunus-Kliniken. B1 bedeutet „erweiterte Kenntnisse“ und „Sie können Unterhaltungen zu einer Reihe von Themen und Umständen führen“.

Um wirklich irgendwann als Krankenpfleger arbeiten zu können benötigt der 33-Jährige Sprachlevel B2, das heißt, „fortgeschrittene Kenntnisse“. Und das bedeutet: „Sie können effizient in anspruchsvollen Situationen kommunizieren“.

Realschule oder Abitur

„Idealerweise haben die Auszubildenden zum Gesundheits- und Krankenpfleger noch einen Realschulabschluss oder Abitur“, sagt Dintelmann. Das ist die nächste Hürde für den anerkannten Flüchtling. „Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll, ungefähr wie ein kleines Medizinstudium“, erklärt die Pflegedienstdirektorin weiter.

Fest steht, dass Al Shabaan in einem Krankenhaus arbeiten möchte. Mit der Kommunikation habe es „mal so, mal so“ geklappt im Krankenhauspraktikum, das er Ende vergangenen Jahres abgeschlossen hat. „Freundlich und sehr nett“ seien im alle Menschen dort begegnet. Er sei nicht der einzige Praktikant, aber der einzige aus Syrien gewesen.

Laut Dintelmann waren es zehn Praktikanten in Usingen, die zwischen einem Tag und mehreren Wochen in den Pflege-Alltag reingeschnuppert hätten. „Eine Fachkraft arbeitet heute bereits als Krankenschwester, sie hatte zuvor ein Anerkennungsverfahren durchlaufen. Sie war allerdings kein Flüchtling.“ Al Shabaan lernt Deutsch im Sprachkurs beim Internationalen Bund (IB) in Oberursel. Dass es mit dem Lernen in der Gemeinschaftsunterkunft nicht so gut klappt, demotiviere ihn etwas und auch die Tatsache, dass bisher nicht absehbar ist, wie lange er den Deutschkurs noch besuchen muss. In der Regel dauert ein Kurs etwa drei bis sechs Monate. Zum Abschied sagt Al Shabaan: „Schöne Grüße“.

Die Gepflogenheiten des Arbeitsmarktes und speziell die in Krankenhäusern muss er zwar noch kennenlernen, doch diese Höflichkeitsfloskel hat der freundliche Syrer bereits verinnerlicht

» http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/usinger-land/Deutsch-als-groesste-Herausforderung-Fluechtling-will-Ausbildung-zum-Krankenpfleger-machen;art48706,2477919

Zurück zur Übersicht
zurück zur Startseite