Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde beherbergt seit 100 Wochen Flüchtlinge

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20.1.2017: aus Taunuszeitung. Bad Homburg.
Ein später Dienstagnachmittag, wie er seit dem 7. Februar 2015 Woche für Woche in der Sodener Straße abläuft: Im „Offenen Haus“ der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (EFG) sitzen bei Gebäck und Getränken Menschen in kleinen Gruppen zusammen. Man unterhält sich, es wird gelacht und gestikuliert.

An einem Tisch fragt Dr. Hans-Joachim Zahn Vokabeln ab. „Nein, das ist keine Schnecke, sondern eine Schlange“, korrigiert er und legt die Schlangen- und Schnecken-Karten aus dem Memory-Spiel nebeneinander; Ashenafi Brhane aus Eritrea spricht die für ihn so ähnlich klingenden Wörter nach. Der Somalier Galad Nageeye übt sich derweil an einfacheren Begriffen, aber Stück für Stück kommt auch er voran.

Kein Mal ausgefallen

Im Nebenraum wird in Kleingruppen schon an Satzbau und Verbkonjugationen gefeilt; die „Schüler“ sitzen konzentriert über ihren Arbeitszetteln, ihre „Lehrer“ erklären geduldig die Eigenarten der deutschen Grammatik. Dem Außenstehenden fällt auf, wie respektvoll und freundlich hier alle miteinander umgehen.

Theoretisch hatte man sich bei der EFG schon länger mit dem Thema Flüchtlingsarbeit beschäftigt, und dann im Winter 2014/15 „hat Gott sie uns vor die Füße gelegt“, sagen die Helfer über die Nähe zwischen der Flüchtlingsunterkunft an der alten Feuerwache und ihrem Gemeindehaus. Seit der ersten Einladung vor knapp zwei Jahren ist das „Offene Haus“ kein einziges Mal ausgefallen. Und so feiert man heute zu Rrecht stolz in einer Mini-Zeremonie das 100. Bestehen des Treffs.

Für die etwa 20 Mitarbeiter, die unkompliziert dazu beitragen, dass alles längst wie am Schnürchen klappt, haben die Chef-Organisatorinnen Ilse Kairies und Gaby Jung eine symbolische Rose mitgebracht: „Eine Rose ist nicht viel, aber ein Zeichen der Dankbarkeit.“ Die Flüchtlinge applaudieren spontan, sieben „alte Hasen“ aus dem ersten Treff sind heute auch wieder hier. Von Anfang an nutzten sie die Möglichkeiten, die ihnen in der warmherzigen Atmosphäre geboten wird: „Wir waren in den Containern, hatten keinen Kontakt, alles war fremd. Dann seid Ihr zu uns gekommen und habt uns eingeladen. Das war für uns so wichtig. Dafür danken wir euch. Danke!“ sagt ein junger Syrer in perfektem Deutsch.

Arbeit gefunden

So wie er haben viele in den vergangenen Monaten den für den Integrationstest so wichtigen B1-Sprachkurs bestanden. „Etliche haben schon Arbeit gefunden“, freut sich Kairies, bedauert aber gleichzeitig, dass sie sich von etlichen Menschen verabschieden mussten, die mehr oder weniger freiwillig in ihre alte Heimat zurückgegangen sind. Kairies und Jung betonen, wie gut man mit der Stadt, anderen Flüchtlingsarbeitskreisen und der Diakonie in Frankfurt vernetzt ist. Letztere hat die Gemeinde juristisch unterstützt, als zwei Syrern in aller Stille ein elfwöchiges Kirchenasyl gewährt und damit ihr Bleiberecht gesichert wurde. Auch sie sind heute hier, man spürt ihre enge Verbundenheit mit den Menschen, die ihnen geholfen haben.

Zu den 100 Dienstagstreffen kamen eine ganze Reihe von Feiern hinzu: „Zum Beispiel hatten wir im Sommer ein Grillfest mit 140 Leuten“, so Jung.

Wie eine Ersatzmutter

Längst sind über die Dienstage hinaus gute Beziehungen, ja Freundschaften zwischen Flüchtlingen und Mitarbeitern entstanden, für manchen jungen Menschen sind die Helferinnen auch eine Art Ersatzmutter. „Wir haben noch kein einziges Mal eine unangenehme Situation erlebt“, erzählt eine rundum zufriedene Ilse Kairies, die noch einen persönlichen Aspekt ihrer Motivation preisgibt: „Wenn meine Kinder irgendwo auf der Welt allein wären, wäre ich doch froh zu wissen, dass sie mit offenen Armen aufgenommen werden.“

» http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Evangelisch-Freikirchliche-Gemeinde-beherbergt-seit-100-Wochen-Fluechtlinge;art48711,2432246

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