Wie Integration gelingt: Ein Grieche erzählt

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16.1.2017: aus Taunuszeitung. Köppern.
„Wir nahmen nur das Nötigste mit: Kleidung, Versorgung und Papiere“, erinnert sich der heute 62-jährige Thomas Papadopoulos. Mit 16 Jahren ist er 1970 aus einem kleinen Ort im griechischen Makedonien nach Bad Homburg gekommen und ist damit seinen Eltern gefolgt, die bereits einige Jahre zuvor im Rahmen eines Anwerbeabkommens nach Deutschland übersiedelt waren. „In Griechenland waren die Lebensverhältnisse sehr schwierig, deshalb sind wir zum Arbeiten nach Deutschland gekommen“, erinnert Papadopoulos an die Gründe für den Aufbruch ins Unbekannte vor nun schon 46 Jahren.

Die Kuh verkauft

Um die lange Reise, bei der es zunächst mit dem Schiff nach Italien und dann per Zug nach Frankfurt ging, finanzieren zu können, hatte seine Großmutter eine Kuh verkaufen müssen.

Papadopoulos weiß es noch wie heute: „Es war ein Donnerstag, an dem ich in Frankfurt aus dem Zug gestiegen bin.“ Kurz darauf ging es in eine Schraubenfabrik in Oberursel, wo er zunächst als einfacher Arbeiter angestellt war, später lernte er Dreher. Zuletzt übernahm er technische Aufgaben im Rechenzentrum einer Bank.

Große Sprachprobleme

Der Weg dahin war nicht immer einfach, erinnert er sich. „Der Anfang in Deutschland war sehr schwer. Ich wollte wieder nach Griechenland. Ich wollte meine Freiheit zurück.“ Heimweh, beengte Wohnverhältnisse in heruntergekommenen, aber billigen Wohnungen und die Probleme mit der fremden Sprache machten dem Jugendlichen in den ersten Jahren sehr zu schaffen.

„Das änderte sich aber, als ich versuchte, in Kontakt mit Deutschen zu kommen.“ Diese Strategie, „raus ins Leben zu gehen“, ist für Thomas Papadopoulos aufgegangen: Er engagierte sich im Sport und gründete zusammen mit anderen Kickern einen griechischen Fußballverein. 1980 überzeugte er griechische Landsleute davon, die griechische Gemeinde in Bad Homburg zu gründen, zu deren Vorsitzenden er mehrmals gewählt wurde.

Seine Überzeugung, dass sich die Gemeinde nicht abschotten dürfe, sondern sich öffnen müsse, sei nicht bei allen auf Gegenliebe gestoßen. Oft habe man ihm den Vorwurf gemacht, „die Griechen an die Deutschen zu verkaufen“. Der diskussionsfreudige Papadopoulos, der keiner Auseinandersetzung aus dem Weg geht, hielt dagegen und warb für seine Vorstellung von Integration.

Ins Gespräch kommen

„Meine Heimat ist Deutschland, mein Vaterland aber ist Griechenland“, bringt es Papadopoulos auf den Punkt. Integration bedeutet für ihn, sich an die herrschenden Regeln und Kultur anzupassen und die Sprache zu lernen. Wer einwandert, müsse sich am gesellschaftlichen Leben außerhalb des Arbeitsplatzes beteiligen, „denn es geht immer darum, miteinander ins Gespräch zu kommen“.

Seine eigene Identität und Wurzeln müsse dafür aber niemand aufgeben. Parallelgesellschaften oder Radikalisierungen jeglicher Couleur erteilt Papadopoulos kompromisslos eine Abfuhr.

Seit 1997 sitzt Papadopoulos für die Friedrichsdorfer SPD im Kreistag. In die Politik zu gehen, war für ihn, der seit 1992 den deutschen Pass hat, eine strategische Entscheidung, um direkt Einfluss auf die politische Entwicklung zu nehmen. Die Stärkung des Sozialstaates liegt ihm dabei ebenso am Herzen wie gleiche Rechte für ausländische Arbeitskräfte bei Arbeit und Entlohnung. Daneben unterstützt er ehrenamtlich ausländische Mitbürger bei Behördengängen.

Der Vater einer Tochter und Großvater einer 13 Monate alten Enkelin lebt zusammen mit seiner Frau Cornelia seit vielen Jahren in Köppern. Die Einrichtung der gemeinsamen Wohnung spricht für sich: Im typisch deutschen Wohnzimmer stehen in den hellen Holzschränken und Regalen Andenken aus Griechenland: Gipsköpfe unter anderem von Alexander dem Großen, kleine Statuetten und Ikonen sind hier zu besichtigen. An den Wänden hängen Bilder mit gemalten Dorf- und Hafenansichten. Es wird klar: Thomas Papadopoulos ist Grieche. Aber einer, der angekommen ist und Deutschland mit ganzer Überzeugung seine Heimat nennt.

» http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Wie-Integration-gelingt-Ein-Grieche-erzaehlt;art48711,2423676

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