Friedrichsdorf: Flüchtlinge damals und heute

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5.1.2017: aus: Frankfurter Rundschau. Von Olaf Velte.
Die Ausstellung „Fremde. Heimat. Friedrichsdorf“ offenbart Flucht, Ankunft und Integration als immerwährende Themen.

Die Gegenwart ist der Ausgangspunkt. Auf einem Tisch liegen 13 Mappen mit Formularen und Informationen. „Mit welchen Worten beginnt die deutsche Nationalhymne?“, heißt es im Fragebogen zum Einbürgerungstest. Aus vier Möglichkeiten darf gewählt werden.

Die neue Sonderausstellung „Fremde. Heimat. Friedrichsdorf“ im Seulberger Heimatmuseums ist einem aktuell-brisanten Thema gewidmet. Nicht ausgeblendet wird daneben eine Vorgeschichte der Zuwanderung, die für die ehemalige Stadt des Zwiebacks fundamental ist. Wie nur wenige Kommunen wurde die Taunusgemeinde geprägt von Ankunft und Integration. Ausgehend von heutiger Flüchtlingsrealität weist ein die Präsentation strukturierender Zeitstrahl hinüber ins ferne 17. Jahrhundert.

Eine Epoche, in der sich unter der schützenden Hand des Homburger Landgrafen Friedrich II. etwa 150 französische Glaubensflüchtlinge ansiedeln und eine Wohnstätte gründen dürfen. Dass die deutsche Bevölkerung umliegender Dörfer darauf mit Widerwillen reagiert, wird im Rahmen der bis zum 1. März geöffneten Ausstellung keinesfalls ausgeblendet.

1946 treffen Heimatvertriebene aus dem Sudetenland und Ostpreußen erneut auf eine feindselige Stimmung. Obwohl die Friedrichsdorfer Bemühungen als „Muster nachkriegsdeutscher Eingliederungspolitik“ gelobt werden, bringt die „Zwangsbewirtschaftung von Privatwohnungen“ viele Alteingesessene in Rage. Die gesellschaftliche Aufnahme der vor sieben Jahrzehnten in den Taunus gekommenen 485 Menschen erweist sich in den Anfangsjahren als ebenso schwieriges Unterfangen wie alle Zuwanderungen vor- und nachher.

Die Ausstellung ist noch bis zum 1. März im Heimatmuseum von Seulberg, Alt-Seulberg 46, zu sehen.

Mehr:

» http://www.fr-online.de/bad-homburg-und-hochtaunus/friedrichsdorf-fluechtlinge-damals-und-heute,1472864,35059906.html

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