Flüchtlingsunterkunft im Gewerbegebiet Drei Hasen: Alles bereit für den Einzug

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29.11.2016: aus Taunuszeitung. Oberursel.
„Jetzt haben wir es geschafft.“ Dieser Satz, geäußert von einer Besucherin, und die damit verbundene Erleichterung bestimmten gestern die Stimmung in der neuen Asylbewerberunterkunft an der Karl-Hermann-Straße. Kreisbeigeordnete Katrin Hechler (SPD) hatte zu einem Rundgang durch die dreigeschossigen Gebäude eingeladen. Und viele Politiker, Baubeteiligte, aber auch ehrenamtliche Helfer nutzten die Möglichkeit, sich in den Häusern mit den Nummern 46 und 48 umzusehen.

Noch in diesem Monat werden dort wahrscheinlich die ersten Flüchtlinge untergebracht. Der dritte Bau, direkt an der Karl-Hermann-Flach-Straße gelegen, soll voraussichtlich Ende März fertiggestellt sein.

Auch wenn das Gelände zum Teil noch Baustelle ist – die neue Unterkunft, die insgesamt bis zu 157 Menschen Platz bieten soll, ist das Gegenprogramm zur früheren maroden Container-Gemeinschaftsunterkunft, die quasi an derselben Stelle gestanden hatte.

„Sehr hell, freundlich“, lobt etwa Gabriela Wölki, die das Netzwerk Flüchtlingshilfe in Oberursel koordiniert, die neuen Häuser. „Das muss man sich erst einmal leisten können. Absolut toll“, meint anerkennend Franz Zenker, Vorsitzender des Ausländerbeirats Oberursel. „Die alten Container, die nicht funktionierenden Toiletten – das fällt jetzt endlich weg“, fügt er erleichtert hinzu.



Was lange währt, wird endlich gut, heißt es. Keine Frage, die neue Asylbewerberunterkunft ist gut geworden. Kreis und Hochtaunusbau können zu Recht stolz auf ihr Projekt an der Karl-Hermann-Flach-Straße sein.



Wie berichtet, hatten kirchliche und Flüchtlingsorganisationen über Jahre die „menschenunwürdigen“ Zustände in der alten Unterkunft beklagt und eine Schließung der Einrichtung gefordert. Für diese war ebenfalls der Hochtaunuskreis verantwortlich gewesen, betrieben wurde sie von einem privaten Unternehmen. Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) erinnert bei der Besichtigung ebenfalls an diese Kritik, „weltweit ist Oberursel durch die Presse gezogen worden. Ich bin froh, dass dies Geschichte ist.“

In den neuen Häusern könne der Hochtaunuskreis mit „gutem Gewissen“ Menschen unterbringen und sicher auch noch in 25 Jahren stolz darauf sein, was hier gebaut worden sei, hat kurz zuvor Hechler unterstrichen. Etwa mehr als 25 Jahre war auch die alte Unterkunft in Betrieb gewesen. Die Kreisbeigeordnete habe ein guten Job gemacht, würdigt wiederum wenig später Kreistagsvorsitzender Jürgen Banzer (CDU).

Die drei Gebäude haben jeweils eine Grundfläche von 450 Quadratmetern. In den beiden Obergeschossen befinden sich immer zehn Wohnräume mit einer Größe zwischen 18 und 22 Quadratmetern. Die Einrichtung besteht pro Zimmer aus zwei separaten Betten, zwei Spinden, zwei Kühlschränken und einem Tisch mit zwei Stühlen. Zum Teil sind zwei Räume über eine Tür verbunden, hier können zum Beispiel Familien untergebracht werden.

Immer fünf Zimmer bilden eine Einheit, zu der jeweils Sanitärräume und eine Küche samt Esszimmer gehören, die sich alle teilen. „Diese Kleinteiligkeit finde ich sehr gut“, sagt Wölki. Im Erdgeschoss ist jeweils auch ein Wasch- und Trockenraum untergebracht. Im Gebäude mit der Nummer 46 sind auf dieser Ebene zudem Räume für die Sozialbetreuung, die Verwaltung und den Hausmeister vorgesehen.

DRK ist Ansprechpartner

Dort haben Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes ihren Sitz. Denn das DRK übernimmt die sozialpädagogische Betreuung und den Hausmeisterservice in der Einrichtung. Was in Zahlen heißt: Ein Sozialarbeiter steht als Ansprechpartner von Montag bis Freitag für die Flüchtlinge zur Verfügung. Für den Hausmeister werde es zusätzlich am Wochenende eine Rufbereitschaft geben, kündigt Sebastian Fischer, Bereichsleiter für die sozialen Dienste beim Roten Kreuz, an. Außerdem werde eine Reinigungsfirma beauftragt, die auch die Gemeinschaftsräume mitputze.

Wichtig sei, dass die Flüchtlinge eigenverantwortlich in die Pflege eingebunden würden, sagt Wölki im Gespräch mit der TZ. Auf die Unterstützung der neuen Unterkunft und ihrer Bewohner seien die ehrenamtlichen Helfer in Oberursel vorbereitet. In Kürze werde dazu auch ein Gespräch mit der DRK-Sozialarbeit geführt, erklärt sie.

Von den Flüchtlingen, die im alten Oberurseler Containerlager gelebt haben, wird übrigens niemand zurückkehren. Sie wurden vor Monaten in anderen Unterkünften im Kreis untergebracht. Zum Teil waren damals die Umstände der Umquartierung kritisiert worden.

Einen erneuten Umzug hält auch Wölki nicht für sinnvoll. Die Menschen seien jetzt dort angekommen, auch dort werde enge Integrationsarbeit geleistet, erläutert sie.

Wie berichtet, konnten damals 19 Menschen in das neue Gebäude des Gemeinnützigen Siedlungs-Werks Frankfurt(GSW), das in unmittelbarer Nähe an der Oberen Zeil entstanden ist, umziehen. Dieses Haus bietet 50 Plätze.

Bauherr an der Karl-Hermann-Flach-Straße ist die Hochtaunusbau Baugenossenschaft, mit der der Kreis nach einem sogenannten Interessenbekundungsverfahren einen Vertrag über Errichtung und Unterhaltung der neuen Unterkunft geschlossen hat. Die Gesamtkosten für die Gebäude samt Außenanlage beziffert Genossenschaftsvorstand Bernd Arnold auf „knapp über sieben Millionen Euro“. Der Kreis mietet die Häuser und übernimmt die „Betreiberverantwortung“.

» http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Fluechtlingsunterkunft-im-Gewerbegebiet-Drei-Hasen-Alles-bereit-fuer-den-Einzug;art48711,2345126

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