Emmershäuser Mühle: Aus für Asylunterkunft

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18.11.2016: aus Taunuszeitung. Emmershausen.
Erst im Januar war die Emmershäuser Mühle nach längerer Sanierung als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Betrieb gegangen. 60 Menschen sind in der Folge eingezogen, jetzt müssen sie schon wieder ausziehen. Zum Monatsende wird die Unterkunft geschlossen, zunächst jedenfalls. 40 der 60 Bewohner wurden bereits, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, in die Erbismühle umgesiedelt.

Es handelte sich dabei nur um Familien. Zurück blieben 20 alleinstehende Männer. Auch die müssen die Mühle in den nächsten Tagen verlassen, wegen baulicher Mängel, heißt es dazu im Landratsamt.

Der Ortsbeirat Emmershausen, der eigentlich am nächsten dran ist, zeigte sich in seiner Sitzung am Dienstag eher uninformiert. Man wisse zwar, dass die Familien aus-gezogen seien, aber nicht so recht warum. Von den baulichen Mängeln habe man auch gehört, ohne zu wissen, um was es konkret gehe.

Und wie es weitergehen soll, wusste im Ortsbeirat auch niemand. Ex-Ortsvorsteher Bernd Müller (FWG), gewöhnlich gut unterrichtet, konnte auch nichts genaues sagen, wagte sich aber etwas nebulös vor: „Es geht wohl um Weitermachen oder Schließung“, meinte er.

Bangert kalt erwischt

Auch Bürgermeister Axel Bangert (SPD) wurde von der Entwicklung – wieder einmal – überrascht. Ihm sei ein in der Erbismühle aushängender Brief zugesteckt worden, in dem sei von der Evakuierung der Emmershäuser Mühle die Rede. Nachfragen im Landratsamt ließen den Verwaltungschef dann zumindest etwas schlauer werden: Man habe in den letzten Wochen „geräuschlos“ die Familien und Paare aus der Emmershäuser Mühle ausgesiedelt.

Hintergrund seien bauordnungsrechtliche Auflagen, die bislang noch nicht umgesetzt oder behoben worden seien. Daher müssten bis 1. Dezember auch noch die verbliebenen 20 Männer umziehen. Die Gebäude, so erfuhr Bangert, stünden dann „vorübergehend leer“, bis der Eigentümer bei Brandschutz und Hygiene nachgebessert habe.

Recherchen der TZ im Landratsamt brachten weiteren Aufschluss: Die Unterkunft weise bauordnungsrechtliche Mängel auf, die bis zu einer Behebung eine Aussiedlung der dortigen Bewohner erforderlich machten, teilte Pressesprecherin Andrea Nagell mit, und weiter: „Wir führen regelmäßig Brandverhütungsschauen in den Gemeinschaftsunterkünften durch, dabei sind die Mängel zutage getreten. Der Betreiber möchte nachbessern und wird dafür eine angemessene Frist erhalten.“

Probleme mit den in der Emmershäuser Mühle lebenden Asylbewerbern habe es in der Vergangenheit nicht gegeben. Als problematisch gelten könne allenfalls die von den Bewohnern selbst kritisierte fehlende oder schlechte Internetverbindung und Infrastruktur. Ob dem Betreiber für den Fall, dass er die Mängel nicht zeitnah beheben kann, die Auflösung des Vertrags droht, konnte Nagell zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen: „Darüber wird erst entschieden, wenn die Frist zur Nachbesserung ergebnislos verstreichen sollte.“

Allerdings sei dem Hochtaunuskreis an einer Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Betreiber der Emmershäuser Mühle gelegen.

Rückkehr auf Wunsch

Nagell sagte auch, dass die jetzt in die Erbismühle umgesiedelten Familien und auch die Männer, die noch auf andere Unterkünfte verteilt werden müssen, nach Abschluss der Mängelbehebung nach Emmershausen zurückkehren können, „wenn das ihr Wunsch ist, wenn sie anderswo verbleiben möchten, wird dem Rechnung getragen“.

Der große Ansturm auf die Flüchtlingsquartiere im Hochtaunuskreis scheint unterdessen abgeebbt zu sein. Nach Nagells Angaben kommen derzeit nur noch rund 20 Menschen in der Woche im Hochtaunuskreis an.

» http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/usinger-land/Emmershaeuser-Muehle-Aus-fuer-Asylunterkunft;art48706,2327572

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