Platz für 100 Flüchtlinge im Haus Berlin

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10.11.2016: aus Taunuszeitung.Bad Homburg.
660 Flüchtlinge sind derzeit in Gemeinschaftsunterkünften in Bad Homburg untergebracht. Das ist die Zahl, mit der Stadtrat Dieter Kraft (Grüne) kalkuliert. Kraft geht davon aus, dass dauerhaft mindestens die Hälfte in Bad Homburg wohnen bleiben werden, als „Anerkannte“, also als Bad Homburger.

Und wo sollen diese Neubürger künftig wohnen – wo die Lage am Wohnungsmarkt der Kurstadt angespannt ist, um nicht zu sagen, wo es derzeit überhaupt keinen bezahlbaren Wohnraum mehr gibt? Denn als Anerkannte müssen die Flüchtlinge ja eigentlich binnen drei Monaten aus den Gemeinschaftsunterkünften raus. Das war die Frage, die die Mitglieder des Sozialausschusses am Dienstag OB Alexander Hetjes (CDU) stellten. Er antwortete: „Wenn sie anerkannt und damit Bürger unserer Stadt sind, setzen wir sie ans Ende einer langen Liste von Homburgern, die ebenfalls auf der Suche nach einer sozial geförderten Wohnung sind. Bis eine solche Wohnung gefunden ist, müssen sie in den Gemeinschaftsunterkünften wohnen.“


Zum Thema: Kleiderkammer zu

„Ab dem 1. November 2016 bis 28. Februar 2017 findet vorerst keine Kleiderausgabe statt“, steht auf einem Schild geschrieben, das an den Aufzügen im Erdgeschoss des Rathauses hängt.
Gemeinschaftsunterkünfte wie etwa am Niederstedter Weg und in der Schwalbacher Straße seien momentan ausreichend vorhanden. Nach Angaben der Kreisbeigeordneten Katrin Hechler (SPD) sei im Moment keine neue Flüchtlingswelle in Sicht, so Hetjes weiter, der relativierend hinterher schob: „Was sich natürlich jederzeit ändern kann.“

Insofern verfolge man das Ziel, das Haus Berlin zu „ertüchtigen“, also so umzubauen, dass dort um die 100 Flüchtlinge Platz haben – weil der Standort Schwalbacher Straße über kurz oder lang dicht gemacht werden muss. Weil er dringend für den lange geplanten Neubau der Maria-Scholz-Schule gebraucht wird. Zwischen Frühjahr und Herbst 2017 soll es losgehen, sagte Hetjes.

Wohnungsmarkt angespannt

Das Haus Berlin wird also hergerichtet, damit dort Flüchtlinge unterkommen – im Zweifelsfall eben auch solche, die bereits anerkannt sind und eigentlich in einer eigenen Wohnung leben sollten. „Wir arbeiten zwar an der Innenstadtverdichtung und am Hühnerstein. Aber das sind keine Sozialwohnungsbauprojekte“, erinnerte Hetjes. Einige geförderte Wohnungen könnte man bei der Entwicklung des Vickers-Areals generieren – aber angesichts der langen Liste von Menschen, die bereits jetzt nach solchen Wohnungen suchten, sei die Wahrscheinlichkeit, dass dort anerkannte Flüchtlinge unterkämen, eher gering.


Stadtrat Dieter Kraft warnt angesichts der Flüchtlingszahlen vor einem immer gravierenderen Mangel an günstigem Wohnraum. Der Wohnungsbedarf von anerkannten Flüchtlingen werde das Angebot deutlich

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Und was ist mit der Bebauung der alten Hochtaunus-Kliniken? Die ja nun nicht mehr als Erstaufnahmeeinrichtung vom Land gebraucht werden. Für die allerdings ein Mietvertrag besteht, und zwar bis 30. November 2017. „Dem Land wurde über diesen Nutzungszeitraum hinaus ein Optionsrecht auf zweimalige Verlängerung um jeweils ein Jahr eingeräumt“, erklärte Kreissprecherin Andrea Nagell. Nach Beendigung der Nutzung durch das Land sei beabsichtigt, das Areal einschließlich der aufstehenden Gebäude „zu Wohnbauzwecken zu veräußern“.

Es dauert also noch ein bisschen, bis sich da etwas tun wird. Die Stadt werde das Gelände aber durchaus im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts bewerten, betonte Hetjes. Und auch mal schauen, was der Regionale Flächennutzungsplan an Erweiterungsfläche hergibt, ob man vielleicht doch noch ein Baugebiet ausweisen kann. Im Rahmen der Innenstadtverdichtung habe man schon die Stellplatzsatzung überarbeitet, die bislang Vorhaben erschwerte. Aber diverse Anbauten befriedigten nicht den Zuzugsdruck in Homburg.

Augen zu hilft nicht

Was in besonderem Maße eben auch die anerkannten Flüchtlinge zu spüren bekommen und was wiederum Stadtrat Kraft Kopfzerbrechen bereitet, unter anderem, weil die Anerkannten in den Gemeinschaftsunterkünften Plätze belegten, die für Neuankömmlinge vorgesehen seien. „Wir können dann nicht sagen, wir haben keinen Platz, denn auf dem Papier wäre ja Platz, weil die Anerkannten ja die Stätte geräumt haben müssten“, sagte Kraft. Mit Blick etwa auf die Türkei glaubt er, dass es so unwahrscheinlich nicht ist, dass demnächst wieder mehr Flüchtlinge kommen. Es sei keine Lösung, „die Augen zuzumachen und zu sagen, es gehe nicht anders“, kritisierte Kraft die Haltung des OB. Er sagte: „Dann müssten wir zumindest eine Obdachlosenunterkunft bauen.“




Mama lernt Deutsch

„Mama lernt Deutsch“ ist ein Projekt überschrieben, das die Stadt jüngst ins Leben gerufen hat und bei dem es sich um einen Deutsch– Sprach- und Orientierungskurs für Frauen ohne oder mit sehr geringen



Worin der Unterschied zwischen einer Gemeinschafts- und einer Obdachlosenunterkunft ist? Darin: Die Obdachlosenunterkunft ist nur für Bad Homburger Bürger. „Und wir als Stadt sind verpflichtet, Obdachlosigkeit unserer Bürger zu vermeiden.“

» http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Platz-fuer-100-Fluechtlinge-im-Haus-Berlin;art48711,2312373

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