Wie ist es für Flüchtlinge Sport-Angebote zu organisieren?

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19.10.2016: aus Taunuszeitung. Usingen.
Um Flüchtlingen das Ankommen in Usingen zu erleichtern und etwas für die Integration zu tun, hatte sich Alf Hohenberg für die Aufgabe eines Sportcoaches interessiert und wurde von der Stadt dazu ernannt. TZ-Mitarbeiterin Dorit Lohrmann sprach mit ihm über seine Erfahrungen in dieser Aufgabe.

Wie lange üben Sie die Aufgabe als Sportcoach für Usingen schon aus?

ALF HOHENBERG: Seit April. Davor war ich aber schon lange Beisitzer im Jugendausschuss Sportkreis Hochtaunus und hatte gute Kontakte zur Sportjugend Hessen. Ich hatte im letzten Jahr einige Ideen, die ich gemeinsam mit den Usinger Vereinen verwirklichen wollte. Leider ohne Erfolg. Nach reiflicher Überlegung und nach Rücksprache mit der Sportjugend Hessen habe ich den Sportcoach für die Stadt Usingen über das Ehrenamtsbüro übernommen.

Wie sah Ihr Konzept aus?

HOHENBERG: Ursprünglich wollte ich einfach zu den Flüchtlingen Kontakt aufnehmen, die hier in der Gemeinschaftsunterkunft im alten Krankenhaus wohnen. Das stellte sich aber als zu schwierig heraus. Immerhin leben um die 140 Menschen in dieser Unterkunft, und ich hatte natürlich keinen Schlüssel. Es ist schwer, an die Bewohner heranzukommen. Das geht nicht ohne Vermittlung durch Betreuer vom Ausländerbeirat oder von der Caritas.

Wie haben Sie dieses Problem gelöst?

HOHENBERG: Ich habe dann zusammen mit dem Ehrenamtsbüro Flyer entwerfen lassen. Die waren in drei arabischen Sprachen verfasst und enthielten alle Sportarten, die bei uns angeboten werden. Da konnten die Flüchtlinge ankreuzen, welche Sportart sie gerne betreiben würden. Nun werden die Flyer in den verschiedenen Flüchtlingsheimen und Unterkünften verteilt. Die Rückmeldungen werden danach ausgewertet und die Flüchtlinge angesprochen.

Welche Erfolge haben Sie bis jetzt damit gehabt ?

HOHENBERG: Die hielten sich anfangs im Rahmen. Jemand wollte gerne boxen, aber das wird in Usingen ja nicht angeboten. Aus der Gemeinschaftsunterkunft konnte ich aber eine afghanische Familie gewinnen. Da spielt der Vater jetzt in der Altherren-Mannschaft Fußball, die beiden jüngeren Kinder gehen ins Kinderturnen und dem großen Sohn bringe ich Tennis bei. Und jetzt habe ich auch einen Jugendfußballtrainer aus Syrien. Ihn konnte ich zum notwendigen Lehrgang beim Hessischen Fußballverband anmelden. Nach erfolgtem Abschluss trainiert er nun zwei Jugendmannschaft für die UTSG und in Burgholzhausen eine Flüchtling-Fußballmannschaft.

Sind das die einzigen Interessenten, die Sie gewinnen konnten?

HOHENBERG: In der Eschbacher Unterkunft, wo nur alleinstehende junge Männer wohnen, war es leichter, Interessenten zu gewinnen. Die spielen jetzt bei der TUS Eschbach Fußball. Und von den UMF, also den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aus der Kernstadt, sind jetzt auch schon die meisten mit dabei. Die spielen am liebsten Fußball und schwärmen von Fitness. Für die haben wir ja kürzlich das Modellprojekt “Soccer-Turnier und die Highlander-Games“ mit der Sportjugend Hessen organisiert.

Wie viel Zeit wenden Sie für die Aufgabe als Sportcoach auf?

HOHENBERG: Ich komme manchmal auf zehn Stunden, meistens sind es vier bis fünf Stunden in der Woche.

Auf welche Probleme stoßen Sie, die Ihre Bemühungen ausbremsen?

HOHENBERG: Sprachschwierigkeiten. Es wäre manchmal schön, einen Dolmetscher zu haben. Am besten in Kombination mit einer Sprechstunde.

Wie zufrieden oder unzufrieden sind Sie jetzt nach einem halben Jahr als Sportcoach?

HOHENBERG: Ich erlebe immer wieder Fortschritte bei den Flüchtlingen, besonders bei den jungen. Das gibt mir dann schon das Gefühl, dass sich der Einsatz lohnt. Ich war zum Beispiel mit den UMF beim ZDF in Mainz. Das hat die Jungs überhaupt nicht beeindruckt. Aber als ich mit ihnen eine Wanderung unternahm mit Lagerfeuer und Eintopfessen beim Tennisclub, das hat ihnen gefallen. Und die Turniere am Sonntag mit anschließendem Grillen waren für alle Beteiligten ein Erfolgserlebnis, für mich auch.

» http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/usinger-land/Wie-ist-es-fuer-Fluechtlinge-Sport-Angebote-zu-organisieren;art48706,2275721

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