Flüchtling findet mit viel Engagement einen Ausbildungsplatz

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25.8.2016: aus Taunuszeitung. Wehrheim- Als Medhane Beyin vor drei Jahren aus Eritrea nach Deutschland kam, war für ihn klar: Er möchte nicht nur arbeiten, um möglichst viel Geld zu verdienen. Er setzte auf eine fundierte Ausbildung und hat deshalb von Anfang an Deutsch gelernt, kam teilweise erst um 22 Uhr nach Hause und hat sein Vokabelheft immer dabei. Jetzt hat er ein Etappenziel erreicht und am 1. August eine Ausbildung zum Maler und Lackierer beim Wehrheimer Malerbetrieb Walter begonnen.

Die Inhaber Isabell und Roland Walter sowie ihre Söhne Lucas, der im zweiten Jahr einer dualen Ausbildung steht, und Fabian, der seine Zukunft ebenfalls im Malerhandwerk sieht, sind froh über den neuen Mann. Er habe sich gut in das 20-köpfige Team integriert und werde anerkannt, erzählt Isabell Walter. Dass die Chemie stimmt, hatten beide Seiten bereits in einem zweieinhalbmonatigen Praktikum festgestellt.

Kommune unterstützt ihn

Die Walters haben Medhane Beyin geholfen, Hürden zu überwinden, denn ein 38-Jähriger ist zu alt für eine staatliche Ausbildungsbeihilfe, kann aber von seinem Lehrlingsgeld Miete und Lebensunterhalt nicht bezahlen. Jetzt erhält er Unterstützung durch die Kommune. Ihren Einsatz sehen die Walters als ihre soziale Verantwortung. Aber ganz uneigennützig ist sie nicht, denn: „Im Handwerk ist es schwer, Auszubildende zu bekommen“, so Roland Walter. Viele wüssten gar nicht, welche Chancen das Handwerk nach der Ausbildung biete. Wenn die Chemie stimme ergebe sich eine „Win-Win-Situation“ für beide Seiten, möchten sie anderen Mut machen, es ihnen gleich zu tun und Menschen mit Migrationshintergrund eine Chance zu geben. Der Azubi verstehe jetzt alles, und die Kollegen zeigen die jeweiligen Arbeitsschritte: „Medhane lernt alle Arbeitsfelder kennen, und er weiß schnell, was zu tun ist.“

Wenn er nicht weiß, was ein Schwäbchen, ein Spanngurt, eine Kabelrolle oder ein Ringpinsel ist, zeigen die Kollegen Fotos von den Werkzeugen, und er notiert alles in seinem Vokabelheft.

Dass Berufsschule und Gesellenprüfung Herausforderungen bedeuten, ist beiden Seiten klar. Der zuständige Lehrer der Hochtaunusschule sei mit ihm Boot und habe keine Bedenken.

In seiner Heimat war der junge Mann als Soldat stets bedroht und er flüchtete über den Sudan und die Sahara, strandete im winzigen Boot in Lampedusa und kam über das Auffanglager Gießen nach Usingen. Die Verbindung zwischen Ausbilder und Azubi kam über die Malerinnung, in deren Vorstand Roland Walter aktiv ist, und über den Verband Farbe, Gestaltung und Bautenschutz, die große Hilfen waren. Der Flüchtling hatte sich dort beworben, und dass er keine Papiere vorweisen kann, stört die Arbeitgeber nicht, viel wichtiger sei die Persönlichkeit. „Unser Ziel ist es, ihn nach der Ausbildung zu übernehmen“, so Roland Walter. Mit dem Gesellenbrief in der Hand habe er in jedem Fall gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

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