Somalier soll vor Abschiebung bewahrt werden Kirche gewährt Mustafa Asyl

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25.8.2016:
aus Taunuszeitung. Mustafa aus Somalia hofft auf Asyl in Deutschland.
Doch weil er bereits in Bulgarien Fingerabdrücke abgegeben hat, soll er dorthin abgeschoben werden. Das wollen er und seine Unterstützer verhindern.
Pfarrer Herbert Lüdtke und seine evangelische St.-Georgsgemeinde gewähren dem Somalier Mustafa Kirchenasyl. Der 30-Jährige soll vor der Überstellung nach Bulgarien bewahrt werden. Pfarrer Herbert Lüdtke und seine evangelische St.-Georgsgemeinde gewähren dem Somalier Mustafa Kirchenasyl. Der 30-Jährige soll vor der Überstellung nach Bulgarien bewahrt werden.

Steinbach.

Mustafa kommt über die Terrasse ins Pfarrhaus. Es ist sicherer für den 30-Jährigen, auf dem Grundstück der Evangelischen St.-Georgsgemeinde zu bleiben, als über öffentliche Wege zu gehen. Denn die Gemeinde hat dem Somalier Kirchenasyl gewährt, nachdem das Verwaltungsgericht Frankfurt im März eine Klage Mustafas abgelehnt und entschieden hatte, dass er nach Bulgarien überstellt werden soll – Stichwort „Dublin“. Die nach der irischen Hauptstadt benannte Verordnung regelt, welcher EU-Staat für einen Asylantrag zuständig ist.

Bulgarien war das erste EU-Land, in dem Mustafa registriert wurde, nachdem er in Europa angekommen war. In Bulgarien musste Mustafa Fingerabdrücke abgeben, erzählt Pfarrer Herbert Lüdtke. Dazu sei der Somalier gezwungen worden, doch die Abdrücke würden als Asylantrag gedeutet. Doch Mustafa hat in Bulgarien schlimme Erfahrungen gemacht:
Gewalt, Obdachlosigkeit, Haft. Aus Letzterer musste er sich „freikaufen“, wie er erzählt.

Mustafa, der in seiner somalischen Heimat von verschiedenen Jobs, zum Beispiel als Fahrer, lebte, schlug sich weiter nach Deutschland durch, stellte im November 2013 in Gießen einen Asylantrag. Seither kämpft er darum, in Deutschland bleiben zu können. 2014 wurde seinem Eilantrag stattgegeben – doch zwei Jahre später entschied das Gericht anders.

Sprachtalent

Mustafa hat in Bad Homburg gewohnt, sich dort auch für andere Flüchtlinge eingesetzt, zum Beispiel als Dolmetscher. „Mustafa ist ein Sprachtalent“, meint Lüdtke. Der Somalier spricht gut Englisch, und im Deutschkurs in Steinbach mache er sich sehr gut, berichtet Margit Gönsch, die sich im

Arbeitskreis Flüchtlingshilfe engagiert.

Anderen Flüchtlingen helfen, sie bei der Integration unterstützen, das könnte sich Mustafa auch als Beruf vorstellen, wenn er tatsächlich Asyl in Deutschland bekommt. Sein hiesiges Asylverfahren könnte wieder aufgenommen werden, wenn die Überstellungsfrist endet – sechs Monate, nachdem das Gericht die Klage abgelehnt hat. Vor der Überstellung nach Bulgarien bewahrt ihn das Kirchenasyl.

Ihm dieses zu gewähren, hat der Kirchenvorstand entschieden.
„Barmherzigkeit und Nächstenliebe“, nennt Pfarrer Lüdtke als urchristliche Gründe für die Aufnahme des Muslims Mustafa. „Wir gucken nicht, zu welchem Gott jemand betet. Da ist ein Mensch, der Hilfe braucht.“ Die Unterstützer wissen, dass sie damit Dublin aushebeln.
Hinter der Entscheidung der Gemeinde steht aber auch und vor allem die Sorge, dass Mustafa in Bulgarien so behandelt wird wie seinerzeit. Pro Asyl berichtet von Misshandlung und Erniedrigung von Flüchtlingen in Bulgarien.

Auch wenn die Gemeinde über die Aufnahme Mustafas erst jetzt öffentlich spricht, ist das Asyl dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gleich gemeldet worden (BAMF). Nicht jeder bekommt ein solches Asyl. Maria Bethke, Referentin für Asylverfahrensberatung und Erstaufnahme bei der Diakonie Hessen, erklärt, dass es eine realistische Chance geben muss, dass derjenige bleiben kann. Im Fall von Mustafa sei das gegeben. Nach Somalia werde für gewöhnlich nicht abgeschoben, außerdem sei er schon lange in Deutschland. Beim BAMF hat sie unter anderem mit seinen Sprachkenntnissen und seinem Engagement argumentiert, warum er nicht nach Bulgarien abgeschoben werden solle.

Laut Bethke gibt es derzeit in Hessen rund 20 evangelische Kirchenasyle.
Die ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche führte Ende Juli gut 300 bekannte Asyle in Deutschland auf. Mustafa ist aktuell der einzige Fall im Hochtaunuskreis. Früher waren Hilfesuchende bereits in Friedrichsdorfer Kirchen untergekommen.

Zurück zu Mustafa: „Am besten ist es in Steinbach“, sagt der Somalier mit Blick auf den Umgang der Menschen mit Flüchtlingen. Er wird von der Gemeinde menschlich, aber auch finanziell unterstützt. Einen Fernseher haben sie ihm auch organisiert. Die Fußball-EM und die Olympischen Spiele hat er gern geschaut – und wann immer er fernsieht, lernt er wieder ein wenig Deutsch.

» http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Kirche-gewaehrt-Mustafa-Asyl;art48711,2177137

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