Hochtaunus: Hilfsjobs sind keine Lösung

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24.7.2016: aus: Taunus Zeitung.
Es ist maßlos untertrieben, beim großen Thema Asyl vom Bohren dicker Bretter zu sprechen. Politik und Gesellschaft stehen vor dicken Eichen. Noch während der Hochtaunuskreis in dieser Woche einen Asylbericht auf den Tisch legte, stand fest, dass der von der Bundesregierung aufgeblasene rosa Luftballon geplatzt ist. Asylbewerber seien eine Chance fürs Land, die Lösung des Fachkräftemangels nahe. Realität ist: Nur ein Viertel der Flüchtlinge weist eine fundierte Ausbildung vor. Vorsicht: Bitte keinen Beifall von der falschen Seite.

An unserer rechtlichen und vor allem moralischen Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen, hat sich nichts geändert. Man muss auch kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass der derzeitige Kurs in der Türkei der EU wenig gefällt und das geschlossene Asyl-Abkommen in naher Zukunft Makulatur ist. Die Konsequenzen liegen auf der Hand. Realitäten werden selten deutlich, wenn die rosa Brille immer dicker wird.

Menschen, das liegt in der Natur der Sache, streben nach Glück. Meist materiellem. In diesem Punkt wird kein Unterschied zwischen Eritreer und Deutschem erkennbar. Dass Flüchtlinge Geld verdienen wollen, versteht sich also. Dafür braucht’s Jobs. Vor allem in Bereichen, die nur eine geringe Ausbildung voraussetzen. Dass der Bund 100 000 „Arbeitsgelegenheiten“ finanzieren möchte, ist lobenswert und teuer. Rasen mähen und Straße kehren sind zwar erst einmal Beschäftigungen, die aber selten in ein festes Arbeitsverhältnis führen.

Da die ganz große Politik an einer Wurzel-Lösung nur marginal arbeitet – in den autoritär regierten Herkunftsländern gibt’s eben keine großen Ölvorkommen, sonst wäre die „Befreiung“ in Richtung Demokratie schon in Arbeit –, bleibt es den Ländern und Kommunen überlassen, die Probleme in den Griff zu bekommen.

Sprachkurse als feste Voraussetzung für ein Bleiberecht wäre ein Anfang. Ohne Sprache keine Ausbildung, kein Job, keine Zukunft. Auch eine Vorgabe, fundierte Ausbildungen zu absolvieren, wäre eine grundlegende Hilfe, die finanzielle Dauerunterstützung seitens der Steuerzahler zu verhindern.

Die größte Hilfe – und hier unterstützt das neue Integrationsgesetz – wäre die Bereitschaft aller Unternehmen im Taunus, Flüchtlinge zu beschäftigen. Sei es zum Einstieg über ein Praktikum oder Probearbeit, denn auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Also einen Fuß in die Tür der Zukunft bekommen. Eine Sprache im Kurs zu lernen ist eins, besser wäre, sie in der Praxis anzuwenden. Man lernt durchs Sprechen.

Integration ist aber nie einseitig. Wir fordern von den Flüchtlingen viel, also sollte jeder im Gegenzug auch geben. Als Helfer in Arbeitskreisen, als Nachbar und im geringsten Fall, in dem keine Stimmung gemacht wird.

Gut, dass der Kreis in seinem Bericht auch mit dem Vorurteil aufräumt, die Kriminalität sei durch Flüchtlinge gestiegen. Das müsste nun noch in den Köpfen der am rechten Rand angesiedelten Stimmungsmacher ankommen. Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn.

» http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Hilfsjobs-sind-keine-Loesung;art48711,2126868

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