RMV: "Flüchtlingsticket" hat Anlaufschwierigkeiten

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19.7.2016: aus: Taunus Zeitung. Von GEORG HAUPT. Wer mit den deutschen Beförderungsrichtlinien nicht vertraut ist, wird schnell zum Schwarzfahrer. Damit diese Gefahr und die nachfolgenden Sanktionen nicht vor allem über die Flüchtlinge hereinbrechen, hat Hessen ein sogenanntes Flüchtlingsticket eingeführt. Die ersten Erfahrungen sind zwiespältig.

Mohammed S. hatte an einem kalten Wintermorgen im Januar plötzlich Post im Briefkasten, dessen Herkunft ihm erst seine deutsche Betreuerin klar machen konnte. Der Syrer war von seiner Erstaufnahmeeinrichtung im Main-Taunus-Kreis mit der S-Bahn nach Frankfurt gefahren, um Freunde zu treffen. Ein Ticket gelöst hatte er nicht. Kurz hinter Frankfurt-Höchst machte ein Kontrolleur Mohammed S. darauf aufmerksam, dass er nun ein erhöhtes Beförderungsgeld in Höhe von 60 Euro zu zahlen habe. S. verstand davon gar nichts, aber so viel Geld hatte er ohnehin nicht dabei.

Wie oft sich diese oder eine ähnliche Szene in diesem Jahr in den hessischen Bussen und Bahnen zugetragen haben mag, ist unklar. Auskunft darüber geben könnte ohnehin nur die Rechtsanwaltsgesellschaft Rainer Haas & Kollegen, die als „Fahrgeldnachforderungsstelle“ der Deutschen Bahn bundesweit versucht, die 60 Euro einzutreiben, zuzüglich der Inkassokosten und Rechtsanwaltsgebühren, die sich im Fall von Mohammed S. immerhin auf 164,19 Euro beliefen. Die Inkassostelle der Bahn blockt jedoch alle Nachfragen in dieser Sache schon in der Telefonzentrale ab – man sei schon aus Datenschutzgründen zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Mehr:

» http://www.fnp.de/rhein-main/Schwarzfahren-ohne-Risiko;art801,2117975

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