Pressemeldung des AK Asyl Friedrichsdorf zum 19. März 2016

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21.3.2016: Am vergangenen Samstag haben rund 100 Menschen, darunter ein gutes Drittel Geflüchtete, an der Kundgebung und Demonstration vom Arbeitskreis Asyl und amnesty international in Friedrichsdorf teilgenommen - unter dem Motto des bundesweiten Aktionstags "Hand in Hand gegen Rassismus - für Menschenrechte und Vielfalt". Neben einem Infostand wurden Rettungsringe sowie Plakate gegen das Massensterben im Mittelmeer und gegen die rassistischen Brandanschläge in Deutschland gezeigt. Auf dem Marktplatz erschallten Hilferufe: Es waren Geflüchtete, die sich im Mittelmeer befanden und um ihr Überleben kämpften. Dieses Straßentheater stieß auf aktive Zuhörer, welche vor die Alternative gestellt wurden, ob wir uns besser abschotten, oder nicht viel lieber Rettungsringe werfen sollten, um diesen Menschen in Not zu helfen. Stoppt das Sterben im Mittelmeer, an dem Europa große Verantwortung trägt, das war die Botschaft. Frau Trenkle-Freund (AK Asyl Friedrichsdorf) erinnerte daran, dass in den Jahren 2000 bis 2015 geschätzte 30.000 Menschen bei dem Versuch, ihr Leben durch Flucht zu retten, im Mittelmeer ertrunken sind - allein im letzten Jahr mindestens 3.800 Geflüchtete. Lutz Kunze (AK Asyl Friedrichsdorf und Flüchtlingsbeauftragter des evang. Dekanats) erinnerte daran, dass es dieses Friedrichsdorf gar nicht geben würde, hätte nicht seinerzeit der Landgraf, vor dessen Denkmal wir standen, Glaubensflüchtlingen Land und Baumaterialien zur Verfügung gestellt, um einen Neuanfang in Sicherheit zu ermöglichen.

Dann begab sich die Kundgebung vor das nahe Rathaus, ein ganz besonderer Ort, weil dort Flüchtlinge im oberen Stockwerk derzeit wohnen, die uns aus den Fenstern zuwinkten. Der Chor "Entrüstet euch" munterte alle zwischendurch mit mehreren Liedern auf, die Mut machten wie " Das Lied von den Kranichen" und eine iranisches Friedenslied. Lutz Kunze rezitierte ein Gedicht von unserem altbekannten ortsansässigen Flüchtlingshelfer Herbert Kugelmann über den Frieden, was zum Nachdenken anregte, aber uns gleichzeitig froh stimmte. Die nächste Station der vom Rathaus aus mit dem Banner "Hand in Hand gegen Rassismus! - Menschenrechte haben keine Grenzen!" beginnenden bunten Demonstration, ein für Friedrichsdorf seltenes Bild, war die Musikschule Friedrichsdorf. Diese hatte gerade "Tag der offenen Tür" und beteiligte sich auch an dem bundesweiten Aktionstag. Der Leiter der Musikschule, Bert Jonas, begrüßte die Teilnehmer/-innen, bekundete seine Unterstützung unserer Anliegen, und lud alle zu den Konzerten ein. Er verwies auf das Weltmusikensemble, das offen für Geflüchtete und Einheimische ist und sich zum Ziel setzt, die Menschen unterschiedlichster Herkunft musikalisch zusammen zu bringen. Auftritte in Friedrichsdorf haben bereits stattgefunden. Außerdem stellt die Musikschule seit über einem halben Jahr Räume für Deutschkurse und Internetzugang zur Verfügung, was von den Geflüchteten gerne genutzt wird.

Die Demonstration bewegte sich anschließend zum Einkaufszentrum Taunus-Carré, zu dessen Frühlingsfest die Managerin Frau Steinmetz uns für eine Zwischenkundgebung eingeladen hat und persönlich begrüßte. Dort kamen die Flüchtlinge selbst zu Wort. Barin Mangal, eine junge Frau aus Afghanistan, erzählte uns von der schwierigen Situation der Frauen und Mädchen in Afghanistan, denen es nicht erlaubt sei zu arbeiten und Bildung zu erhalten. Sie fragte sich, wie man als Frau und Mädchen dort überhaupt leben könnte. Afghanistan, so erläuterte Trenkle-Freund, ist angesichts der ständigen Terroranschläge und kriegerischen Auseinandersetzungen, keinesfalls ein sicherer Ort. Insbesondere unser Innenminister verbreitet mit der These dreier sicherer Regionen, in die Afghanen abgeschoben werden sollen, bei den hier angekommenen Geflüchteten Angst und Schrecken. Mit dieser Losung werde allen Integrationsbemühungen der Afghaninnen und Afghanen entgegen gearbeitet. Herr Freund vom Arbeitskreis Asyl kritisierte die jüngste Zusammenarbeit mit der die Menschenrechte verachtenden türkischen Regierung, die darin besteht, die Grenzen dicht zu machen, alle Flüchtlinge zurückzuschieben und nur noch syrische Flüchtlinge nach Europa zu lassen. Damit wird die Genfer Flüchtlingskonvention und das Asylrecht beerdigt. Er zitierte aus der "Charta von Palermo":"Kein Mensch hat den Ort, an dem er geboren wird, ausgesucht...jeder Mensch hat den Anspruch darauf, den Ort, an dem er leben, besser leben und nicht sterben möchte, frei zu wählen."
Frau Svetlana präsentierte viele Bilder, gemalt von Flüchtlingskindern und anderen Kindern aus Friedrichsorf, die diese unter ihrer Anleitung auf dem letzten Welcome-Kaffee erstellt hatten. Frau Steinmetz vom Taunus-Carré sicherte ihr zu, diese dort ausstellen zu können.

Danach zog der Demonstrationszug weiter an den Houiller Platz, auf dem die Abschlusskundgebung stattfand. Dort wurde aus einer Erklärung von Pro Asyl zitiert: "Wir erleben die größte Flüchtlingsbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg. Menschenrechte sind keine Schönwetterrechte, sie entziehen sich der staatlichen Begrenzung. Sie sind die Lehren aus dem Nationalsozialismus, als Hunderttausende fliehen wollten und vor geschlossenen Grenzen standen. Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit sind die Basis des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft. Menschenrechte kennen keine Grenzen". Überall wurde unser Anliegen, keinen Hass zu verbreiten und für ein friedliches Miteinander einzustehen, wohlwollend aufgenommen. Unser Werben um weitere Menschen, die den Geflüchteten zur Seite stehen, wurde durch zahlreiche Anfragen belohnt. Wir beendeten die Kundgebung , gemäß dem Motto :"Hand in Hand", reichten uns die Hände und sangen gemeinsam mit dem Chor "Entrüstet Euch" und der musikalischen Unterstützung von Harald Hofmann an der Gitarre das zukunftsweisende Lied "We shall overcome...we will live in peace one day".

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