Es braucht Nachhaltigkeit - Podiumsdiskussion "Jesus war Flüchtling, kein Tourist"

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3.7.2015: LIMBURG. - In den ersten drei Monaten des Jahres 2015 beantragten fast 2.000 Flüchtlinge Asyl auf dem Gebiet des Bistums Limburg - beinahe halb so viele wie im gesamten Jahr 2014. Diesen Fakt präsentierte Merhawit Desta, Referentin Migration des Diözesancaritasverbandes, bei der Podiumsdiskussion im Konradinerkeller des Limburger Bischofshauses am Dienstag, 30. Juni.
Gemeinsam mit dem hessischen Staatssekretär Dr. Wolfgang Dippel, Hünfeldens Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer und Annegret Huchler, Flüchtlingsbeauftragte des Bistums Limburg, diskutierte Desta auf Einladung von Prof. Joachim Valentin, Leiter des Frankfurter Haus am Dom.

Forderung nach mehr Sozialarbeitern

Etwa 40 Teilnehmer waren gekommen, um sich rege an der Diskussion zu beteiligen. Valentin betonte, die Veranstaltung solle "vor allem informativ sein für Sie, die Sie vielleicht selber Flüchtlinge vor Ort haben."

Annegret Huchler verwies auf die zahlreichen Herausforderungen, denen Ehrenamtliche bei der Flüchtlingsarbeit begegnen. "Ehrenamtliche übernehmen oftmals Aufgaben der Sozialarbeiter - wofür sie aber nicht geschult sind. Da kann vieles schief gehen. Daher wünsche ich mir ganz konkret: mehr Sozialarbeiter", appellierte sie an das Land. Gerade bei der Traumatherapie brauche es Fachkräfte. "Wir haben es eben oft mit Flüchtlingen aus Kriegsgebieten zu tun, die dann in fremder Sprache, an einem fremden Ort therapiert werden müssen", so Valentin.

Staatssekretär Dippel verwies auf das hessische Programm "Integration und Abschluss" (InteA), mit welchem auch bis zu 26 Stellen für Migrations- und Sozialpädagogen finanziert werden. Mit InteA sollen 16- bis 18-jährige Migranten sprachlich gefördert werden - ein Projekt, das vor allem der Caritas nicht weit genug geht. Merhawit Desta bezeichnete das Projekt als "kurzfristiges Denken". Mit Blick auf den Fachkräftemangel produziere man so auf Dauer Kosten und vermindere sie nicht, wenn man das Programm nicht auch für ältere Migranten bis 25 Jahre öffne.

Bevölkerung mitnehmen

"Die Gesellschaft vollzieht eine Transformation. Die neuen Bürger zu integrieren, das ist die Herausforderung, der wir uns stellen müssen", so Valentin. Bürgermeisterin Scheu-Menzer berichtete, wie dies mit etwa 60 Flüchtlingen in Hünfelden gelang: "Es nützt nichts, wenn Kommune auf Landkreis, Kreis auf Land und Land auf den Bund schimpft. Man muss einfach mutig an die Probleme herangehen." Sie betonte, dass man die Bevölkerung mitnehmen müsse und sie da abholt, "wo sie gedanklich stehen".
Natürlich hätte es in Hünfelden Bedenken gegen die Gemeinschaftsunterkunft gegeben, so Scheu-Menzer, aber mit viel Kommunikation sei es gelungen, eben diese Bedenken abzubauen und die Flüchtlinge, vor allem junge Männer, zu integrieren. "Da waren ganz gute Fußballer dabei, das freute dann natürlich besonders unsere Sportvereine", schmunzelte Scheu-Menzer.

Für die rege Teilnahme bedankte sich Valentin, obwohl über diese Thematik "so vor einem Jahr noch nicht gesprochen worden wäre, zumindest nicht in einem gut besuchten öffentlichen Podium." (hm)


Auf Einladung von Professor Valentin (Mitte) diskutierten Staatssekretär Wolfgang Dippel, Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer, Annegret Huchler und Merhawit Desta (von links). (Foto: Bistum Limburg)

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