Wer wir sind

Der Webauftritt „Willkommen – Flüchtlinge im Hochtaunuskreis“ ist eine gemeinsame Initiative der evangelischen und katholischen Kirche im Hochtaunuskreis. Als Serviceplattform für alle ehrenamtlich oder hauptamtlich Aktiven in der Flüchtlingsarbeit im Hochtaunuskreis soll er der Koordination und Kommunikation, der fachlichen Unterstützung und Vernetzung dienen.

Wir als Kirche wollen damit einen gesellschaftlichen Beitrag für den Aufbau einer Willkommenskultur für Flüchtlinge im Hochtaunuskreis leisten.

Mit den Initiativen im Hochtaunuskreis vertreten wir folgendes Leitbild:

Für andere - füreinander - für uns

Leitbild der freiwillig Engagierten in der Arbeit mit Geflüchteten im Hochtaunus


1. Präambel

Wir sind Menschen, die sich freiwillig in der Arbeit mit Geflüchteten im Hochtaunuskreis engagieren, indem wir Sprachunterricht geben, bei Spendensammlungen mitwirken, als Lotsinnen und Lotsen begleiten, Freizeitangebote mitgestalten, Begegnungsräume schaffen oder in anderer Weise aktiv sind.

Wir arbeiten so lokal an Problemen und Herausforderungen, die letztlich eine globale Dimension haben. Mit diesem Leitbild definieren wir das Selbstverständnis, das die unterschiedlichen Beziehungen prägt, in denen wir bei unserem Engagement stehen.

Diese Beziehungen sind:

• die Beziehung zu den Geflüchteten
• die Beziehung zu hauptamtlich Tätigen (Sozialarbeiter/innen)
• die Beziehung zu Verwaltung/Behörden
• die Beziehung zu- und miteinander als freiwillig Engagierten
• die Beziehung zu uns selbst
• die Beziehung zur Mit-Gesellschaft
• die Beziehung zu politischen Akteuren
• die Beziehung zur Wirtschaft


2. Unser Selbstverständnis in der Beziehung zu den Geflüchteten

Wir bieten Unterstützungsangebote für Geflüchtete. Dabei begegnen wir ihnen offen, mit Interesse, Verständnis und Respekt.

Wir gehen davon aus, dass Geflüchtete niemanden auf Dauer brauchen, der alles für sie regelt.

Wir orientieren unsere Unterstützungsangebote an dem Ziel, dass sie Geflüchteten dabei helfen, ihr Leben möglichst bald wieder in die eigenen Hände nehmen zu können.

Bei unseren Unterstützungsangeboten sind wir uns unserer Möglichkeiten und Grenzen bewusst.

Wir wahren daher eine für uns und für die Geflüchteten angemessene Distanz.

Wir gehen ehrlich und verlässlich mit Geflüchteten um und wünschen uns insofern das Entsprechende von ihnen.

Mit persönlichen Informationen inkl. dem Recht am eigenen Bild gehen wir vertraulich und verantwortungsvoll um.


3. Unser Selbstverständnis in der Beziehung zu hauptamtlich Tätigen (Sozialarbeiter/innen)

Wir arbeiten gerne mit den hauptamtlich Tätigen auf einer partnerschaftlichen Basis.

Wir können und wollen kein Ersatz für sie sein. Ihre Arbeit ergänzen wir gern durch unsere vielfältigen Kompetenzen.

Wir sehen eine wichtige Aufgabe der Hauptamtlichen und deren Träger auch darin,

hilfreiche institutionelle Rahmenbedingungen für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit zu schaffen: Vernetzungsmöglichkeiten, Koordination, Information, Fortbildung usw.

Wir pflegen eine wertschätzende Kommunikation mit ihnen und tauschen zeitnah notwendige Informationen mit ihnen aus.

Eine gut abgestimmte Zusammenarbeit macht uns alle effektiver.


4. Unser Selbstverständnis in der Beziehung zu Verwaltung/Behörden

Wir fungieren gerne als Bindeglied zwischen Geflüchteten und Behörden.
Das erreichen wir am besten, wenn wir die jeweils richtigen Ansprechpartner/innen kennen und eine verlässliche Erreichbarkeit und Auskunftsbereitschaft vorhanden ist.

Basis dafür ist eine wertschätzende Kommunikation und Verständnis.


5. Unser Selbstverständnis in der Beziehung zu-/miteinander

Wir engagieren uns freiwillig: Jede/r bringt sich nach seinen/ihren Kräften und selbstbestimmt ein.

Wir konkurrieren nicht in unserem Engagement. Wir kooperieren und unterstützen uns gegenseitig.

Wir sind freundlich zueinander im Umgang und reden miteinander. Wir achten Absprachen, die wir miteinander getroffen haben.

Wir bündeln unsere Kompetenzen und stellen sie zur Verfügung. Wir sind offen für respektvolles, wohlmeinendes und konstruktives Feedback untereinander.

Wir gehen neue Wege und keine/r von uns weiß letztlich, was das Beste für die Geflüchteten ist, aber wir tun unser Bestes und würdigen uns in diesem Tun.


6. Unser Selbstverständnis in der Beziehung zu uns selbst

Wir haben Freude daran, uns in unserem Engagement persönlich weiterzuentwickeln. Dabei achten wir auf uns selbst.

Wir respektieren unsere Grenzen, auch die fachlichen: Wir dürfen auch „Nein“ sagen.

Eine gewisse Distanz zu den Geflüchteten zu wahren, ist dabei wichtig: Bei unserem Engagement für andere bedarf es eines inneren Abstandes, damit wir nicht von deren Problemen, Sorgen, Ängsten etc. überwältigt werden.

Empathie für andere muss insofern immer mit der Fähigkeit einhergehen, die Situation auch von einem externen Standpunkt zu betrachten.

Deshalb brauchen wir Räume und Angebote - auch professioneller Art -, uns selbst zu reflektieren und uns weiterzubilden.

Wenn es uns gut geht, können wir etwas geben.


7. Unser Selbstverständnis in der Beziehung zur Mit-Gesellschaft

Wir sind offen, Menschen, die sich für unsere Arbeit interessieren, zu informieren.

Wir nehmen die Ängste anderer ernst.

Wir sind bereit, Möglichkeiten der Begegnung zu schaffen. Wir begrüßen couragiertes Handeln und erwarten dafür Unterstützung von gesellschaftlichen Akteuren wie z. B. von den Kirchen, den Gewerkschaften, den Vereinen, usw.

Wir treten gegen rassistische, fremdenfeindliche und geschlechterdiskriminierende Haltungen ein.


8. Unser Selbstverständnis in der Beziehung zu politischen Akteuren

Wir können unterscheiden zwischen der konkreten Unterstützung und einem politischen Engagement rund ums Thema „Asyl“. Wir können daher da, wo notwendig, beides praktisch trennen.

Wir haben Wesentliches zum politischen Diskurs beizutragen. Wir erwarten deshalb, in Entscheidungsfindungen zum Thema „Asyl“ einbezogen zu werden.

Wir sind insofern bereit, uns mit politischen Akteuren konstruktiv auszutauschen.

Uns ist bewusst, dass sie ihre jeweils eigene Agenda verfolgen. Wir sind uns im Klaren, dass wir von parteipolitischen Interessen vereinnahmt werden könnten.


9. Unser Selbstverständnis in der Beziehung zur Wirtschaft

Vertreter/innen von Handwerk, Industrie, Dienstleistungsunternehmen etc. sind uns willkommene Gesprächs- und Kooperationspartner, wenn es darum geht, Geflüchteten einen Zugang zum Arbeitsmarkt nach den Maßgaben der Clearingstelle des Kreises und des Jobcenters zu ermöglichen.

Uns ist bewusst, dass die Angebote von wirtschaftlicher Seite und die Vorstellungen der Geflüchteten nicht immer deckungsgleich sind. Zwischen beidem zu vermitteln ist uns nur begrenzt möglich. Für eine geschäftsmäßige Arbeitsvermittlung oder Mediation bei etwaigen Konflikten sind wir nicht zuständig.

Es ist uns klar, dass bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt Interessen Dritter tangiert werden, z. B. die Langzeitarbeitsloser und anderer Personen, die nur schwer Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Wir beteiligen uns nicht daran, unterschiedliche Gruppen sozial Benachteiligter gegeneinander auszuspielen.

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